zurück
«kontrast» ist ein Verlag. Und eine Atelier-Gemeinschaft in Zürich,
bestehend aus Journalistinnen und Fotografen. Die Verbindung scheint äusserst
fruchtbar:
Selbständige Bücher
Bücher, die hier entstehen, werden regelmässig ausgezeichnet, kokettieren
mit Kultbuch-Status und haben zuweilen sogar die Tendenz, sich zu verselbständigen.
|
|
«Die Tage gehen vorüber und klopfen mir nur noch nachlässig
auf die Schulter»: So nennt sich das zweite Buch des in Baden lebenden
Sprachkünstlers Beat Gloor, erschienen bei Kontrast. Es ist vermutlich
ein nicht ganz untypisches Verlagsprodukt: mehr Agenda denn Buch, herstellungstechnisch äusserst
aufwändig produziert, dabei inhaltlich witzig, tiefgründig,
absurd und zuweilen absichtlich auch banal. Nicht festzulegen also in
keiner Kategorie, weder inhaltlich, formell oder im Gebrauch. Und zudem
ein Produkt, das zum Tabubruch auffordert: Reinschreiben soll man in
dieses Buch, und auch «zerstören» soll man es: Die Seiten
wurden perforiert, damit man Gloors Sprüche, seine Aphorismen und
Kalauer herausreissen kann - um sie beispielsweise weiterzuverschenken.
Für Bücher solcher Machart gibt es eigentlich nur zwei dankbare
Schicksale: Entweder sie werden von hilflosen Buchhändlern umgehend
wieder remittiert, oder sie erhalten Kultstatus und führen fortan
ihr Eigenleben. Beides ist mit Büchern von «kontrast» schon
passiert - so erzählt Ursi Schachenmann, die neben Koni Nordmann
und Martin Peer den Verlag führt. Mit Beat Gloors Ersterscheinung «staat
sex amen» geschah zum Glück Letzteres: Die Verkäufe dümpelten
erst vor sich hin, dann aber plötzlich führte die Mund-zu-Mund-Propaganda
zu einem nachhaltigen Run: Inzwischen ist auch die dritte Auflage fast
verkauft, und das buch wurde 1999 im Wettbewerb der Schönsten Schweizer
Bücher ausgezeichnet.
«Es ist eine Teamgeschichte»
Dass «kontrast» nach zwölf Jahren Ateliergemeinschaft
vor fünf Jahren verlegerisch tätig wurde, hat sich - typisches
Verlegerschicksal? - einfach so ergeben. «Wir suchten eine Plattform
für eines unsere Projekte, und plötzlich waren wir Verleger» erzählt
Koni Nordmann. «Dabei war sofort klar: Wenn wir das tun, dann machen
wir es richtig und geben dem Ganzen klare Strukturen.» Inhaltlich
haben sich inzwischen zwei Schwerpunkte herauskristallisiert: Fotografie
in Verbindung und Dokumentationen sowie «Sprach-Kunst-Bücher» wie
jene von Beat Gloor - Bücher von Menschen, die einen künstlerischen
Zugang zur Sprache haben. Trotzdem: Die Gründung des Verlages geschah
nicht einfach aus Mangel an geeigneten Plattformen für diese Art
von Bücher: «Es ist eine Teamgeschichte», erklärt
Koni Nordmann. Das buch ist so gesehen nur eines der möglichen Mittel,
um Inhalte zu vermitteln. Ausstellungen wie beim Buch «Khadi -
Ein feines Tuch» können eine anderes sein - die Möglichkeiten
bleiben offen. Im Vordergrund steht das Netzwerk des Ateliers, dass immer
wieder neue Formen der Vermittlung und des Ausdrucks entstehen lässt.
Und so kann es auch, wie diesen Frühling, durchaus einmal sein,
dass eben kein Halbjahresprogramm vorliegt, wenn die strengen Branchenregeln
danach rufen. Die geplanten Projekte dauern diesmal länger, und
man produziert «lieber weniger, dafür mit grosser Sorgfalt
und genügend Zeit» wie Ursi Schachenmann meint. Dafür,
bleibt zu ergänzen, ist dann auch die Halbwertszeit der Titel im
Regelfall längern als anderswo.
Angelika Rodlauer, Schweizer Buchhandel 4/2003
zurück
|