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«Offside» erzählt von grossem Willen und null Bock, von Hoffnung und Absturz, von Fortschritt und Triumph. Es erzählt die Geschichte von Menschen, für die Fussball tatsächlich das Leben bedeutet.
Die Journalistin Simone Burgherr und der Fotograf Peter Klaunzer begleiteten die Spieler und Spielerinnen ein halbes Jahr lang; vom ersten Training über die Ausscheidungsturniere bis an den Homeless World Cup 2006 in Kapstadt.
Das Buch konnte dank «sappi – ideas that matter» realisiert werden. «Ideas that matter»
ist eine weltweite Initiative von Sappi, dem führenden Hersteller von Feinpapieren. Im Rahmen dieses Programmes werden Grafiker für die Umsetzung von kreativen Printkampagnen gesponsert. Das Buchkonzept von Dominique Berrel und Claudia Klat, Studierende an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign Zürich, wurde neben 11 weiteren europäischen Arbeiten aus mehr als 150 Einsendungen prämiert.
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FORTSETZUNG BUCHBESCHRIEB | OFFSIDE
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Basler
Zeitung
«Am diesjährigen ‹Homeless World Cup›, der Strassenfussball-WM
in Südafrika, spielten auch vier Basler mit. Über die Erfahrungen der
Schweizer ‹Homeless Kicker› hat die Publizistin Simone Burgherr
nun ein Buch veröffentlicht.
Ein Samstagnachmittag im vorweihnachtlichen Basel. Simone Burgherr sitzt
mit Buchgestalter Dominique Berrel in einem Café und nippt an ihrem Espresso.
Eigentlich sollten jetzt die Basler WM-Teilnehmer von ihren Erlebnissen
am ‹Homeless World Cup› in Kapstadt berichten, aber aufgetaucht
ist keiner. ‹Ich kann nichts versprechen›, hatte Burgherr
bereits am Telefon angekündigt. Die Fussballer des Schweizer ‹Homeless
Kicker›-Teams sind keine Hochglanz-Stars. Sie leben im Schatten
der Gesellschaft, haben keine feste Bleibe, nehmen Drogen. ‹Einer
ist im Knast, ein anderer abgetaucht›, erklärt Burgherr. Weitere
Spieler wären gerne zum Interviewtermin gekommen, konnten aber das Zugbillett
nicht bezahlen. Der Titel ‹Offside› bringt es auf den Punkt:
In Burgherrs Buch geht es um Fussball, aber gleichzeitig um viel mehr.
Im Abseits stehen die Fussballer selbst. Sie sind Randfiguren der Gesellschaft,
ihre Geschichten erzählen von Abstürzen und dem mühsamen Versuch, wieder
auf die Beine zu kommen.
Pass vergessen. Simone Burgherr, die das Team auch als Projektkoordinatorin
betreut, hat dies Ende September bei der Reise nach Südafrika hautnah
miterlebt: Im Zug nach Zürich-Kloten sagt Nelson, einer der Spieler, unvermittelt:
‹Ich habe den Pass vergessen.› Burgherr glaubt an einen Witz.
Doch tatsächlich bleibt der Pass unauffindbar. ‹Dann gehe ich halt
wieder›, meint Nelson mit gespielter Lässigkeit. Ein anderer Spieler,
Vakkas, hat kein Visum für den Zwischenhalt in London bekommen und muss
ein neues Ticket für den Flug über Johannesburg kaufen. Burgherr telefoniert
mit dem südafrikanischen Aussenministerium, redet beharrlich auf Zollbeamte
ein, bis Nelson schliesslich doch noch ein Notpass ausgestellt wird. Eine
Mitarbeiterin von British Airways zahlt 700 Franken an das Ticket von
Vakkas. ‹Als wir endlich in der Luft waren, war ich total am Ende›,
erinnert sich Burgherr.
Die zwei folgenden Wochen in Kapstadt sind nicht minder chaotisch: Im
ersten Spiel tritt das Schweizer Team gegen den zukünftigen WM-Sieger
Russland an. Bis zur letzten Minute führen die Schweizer 1:0. ‹Alle
gingen hochmotiviert ins Spiel, bis sie anfingen, sich über den Schiedsrichter
aufzuregen.› Nachdem zwei der vier Spieler wegen Fouls des Feldes
verwiesen werden, verliert das Team 0:3 forfait. Der Traum vom Weltmeister
platzt wie eine Seifenblase. Aus Ärger und Enttäuschung hätten die Spieler
fast den Platz zerlegt. ‹Sie sind an ihren eigenen Erwartungen gescheitert
und konnten danach die schöne Zeit in Kapstadt kaum mehr geniessen›,
resümiert Burgherr. Dies, obwohl die Schweizer Mannschaft von südafrikanischen
Fans angefeuert wurde und sogar Autogramme verteilen durfte. Schliesslich
landete das Team auf dem undankbaren 38. Platz.
Trister Alltag. Jetzt ist Winterpause, und die Spieler bleiben wieder
sich selbst überlassen. ‹Die Nachbetreuung müsste unbedingt verbessert
werden›, stellt Burgherr fest. Bis im April die Saison im Rankhof
mit den Auswahltrainings für die Nationalmannschaft eröffnet wird, versucht
Burgherr durch Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Drop In, dem Gassenzimmer
und dem Schwarzer Peter den Kontakt zu den bisherigen Fussballern aufrechtzuerhalten
und neue Spieler zu finden. ‹Anfangs kommen die Leute, um zu duschen
und warm essen zu können, doch durch den Sport geht es mit ihnen schnell
aufwärts. Der Fussball setzt eine wahnsinnige Energie frei.› Denn,
so Burgherr, für viele Menschen, die alles verloren haben, bedeutet Fussball
alles.
Obwohl es den Spielern schwerfällt, wieder in ihren tristen Alltag zurückzukehren,
war die Buchvernissage für sie ein Highlight: ‹Alle haben sich richtig
herausgeputzt und hatten eine Riesenfreude.› Einer der Spieler erschien,
obwohl er am nächsten Tag für längere Zeit ins Gefängnis musste. ‹Jeder
hat in Kapstadt angefangen, sich Gedanken über das eigene Leben zu machen›,
weiss Burgherr: ‹Von der WM-Erfahrung haben alle profitiert.›
Preis für Buchprojekt ‹SAPPI›-AWARD.
‹Offside› konnte nur durch ausserordentliches Engagement und
viel Herzblut der Beteiligten realisiert werden. Das Buch wurde von Dominique
Berrel und Claudia Klat im Rahmen ihres Grafik- und Mediendesign-Studiums
an der Zürcher Hochschule F+F entworfen. Finanziert wird das innovativ
gestaltete Buch durch das Preisgeld, das der Gewinn des ‹Sappi›-Awards
dem Projekt einbrachte. Als einziges Schweizer Projekt setzte sich ‹Offside›
dabei gegen 180 europäische Konkurrenten durch. Das Buch ist für 25 Franken
beim Kontrast-Verlag erhältlich.»
Strassenmagazin Surprise
«Es ist ein zwiespältiges Bild, das gezeichnet wird: Die Fotos zeigen
Begeisterung und Spielfreude, die Texte erzählen ehrlich von den Schwierigkeiten.
Selten gelingt es den Spielerinnen und Spielern, ihrem tristen Alltag
zu entfliehen. Dabei wünschen sie sich nichts sehnlicher als das: weg
von der Strasse, von den Drogen, die sie kaputtmachen. Sie möchten wirklich
leben, eine Chance kriegen, anerkannt werden, jemand sein – nicht
im Abseits stehen. Fussball ist für sie das Leben, sie krampfen bis zum
Umfallen, das Spiel gibt ihnen, für eine Weile, Hoffnung. Aber wenn es
drauf ankommt, fehlt ihnen oft die Willenskraft. Dann verleidet es ihnen
erschreckend schnell, geben sie anderen die Schuld oder drücken sich einfach.
Das Buch fängt dies glaubhaft ein, das Spiel auf dem Platz und die Gespräche
am Spielfeldrand gehen fliessend ineinander über, die Sprache ist nah
bei denen, von denen die Rede ist. Und es wird deutlich: Der Homeless
World Cup ist zwar eine tolle Sache, aber das allein genügt nicht, um
die aus der Gesellschaft Gefallenen aufzufangen. Wenn das Spiel vorbei
ist, warten zu Hause die alten Probleme. Ob die ‹Stars auf Zeit›
die Erfahrungen aus der WM je umsetzen können, ist fraglich. Auch das
verschweigt dieses lesenswerte Buch nicht.»
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